Blogs im Wandel der Kommunikationskultur

Dieser Artikel beschäftigt sich im Rahmen einer Blogparade mit aktuellen Kommunikationsformen im Netz. Es geht um das Zusammenspiel zwischen Blogs und neueren Formen der Kommunikationskultur wie beispielsweise Twitter.

Blogparade um neue Kommunikationsformen

Eigentlich sind Blogs eine neue Entwicklung. Zumindest wenn man in nicht zu schnelllebigen Zeitdimensionen denkt. Dennoch gibt es im Netz neuere Kommunikationsmöglichkeiten als Blogs. Nicht umsonst stellt Peer Wandiger auf seiner Seite Selbstständig im Netz im Rahmen einer Blogparade mit dem Thema “Neue Kommunikationsformen” die Frage, wie es um Blogs in Zeiten von Twitter, Facebook & Co. steht.

Ergänzung statt Konkurrenz

Selbstverständlich ziehen Kommunikationsformen, die viele Leute attraktiv finden, Aufmerksamkeit und Besucher an. Und vielleicht verbringen sie deshalb auch statistisch gesehen weniger Zeit auf Blogs.
Dem kann man aber Folgendes entgegen stellen: je attraktiver das Internet, desto besser für alle Seitenbetreiber, egal ob groß oder klein.

Grob vereinfacht lässt sich feststellen:
Blogs sind redaktionelle Systeme. Twitter ist eine Art Chat. Facebook ist eine Community.
Hier liegt eher Ergänzungspotenzial vor, denn eine Konkurrenzsituation.

Twitter und das Bloggen

Besonders Twitter ergänzt sich sehr gut mit Blogs, obwohl oder gerade weil es etwas gänzlich anderes ist.
Während Blogs Informationen in Artikel anbieten, die zum Teil noch Jahre nach deren Veröffentlichung interessant sind, lebt Twitter von der Aktualität seiner kurzen wie teilweise auch kurzlebigen Nachrichten.
Twitter kann automatisch auf jeden Blogartikel linken, wenn der Blogbetreiber das möchte. Wer bei Twitter tiefer gehende Informationen zu einem Thema möchte, kann Blogs folgen, die den eigenen Interessen entsprechen. Dadurch überwindet Twitter die vermeintliche Kurzlebigkeit seiner Nachrichten und kann zu einer Art Nachschlagesystem werden. Denn jeder veröffentlichte Post eines Blogs ist auch bei Twitter übersichtlich aufgelistet und schnell abrufbar.

Das Bloggen emotionsloser betrachten

Blogs sind eigentlich ein Content Management System, das sich besonders für redaktionell organisierte Webauftritte eignet. Nicht mehr. Nicht weniger.

Unsere Kommunikationskultur im Netz hat aber Blogs ein wenig emotionalisiert. Plötzlich war von dem idealtypischen Blogger die Rede. In diesem Zusammenhang hat man einigen Leuten zu ihrem eigenen finanziellen Nachteil eingeredet, sie dürften auf ihren Blogs keine Werbung schalten, um ein “echter Blogger” zu sein.

Ebenso wurde eine vage Erwartungshaltung erschaffen, welche Art von Webauftritten das Content Management System mit dem Namen “Blog” zu erschaffen hat. Wichtige Elemente können aus dieser Sicht beispielsweise die Kommentarfunktion, die persönliche Ansprache oder das regelmäßige Erscheinen von Artikeln sein.
Das ist natürlich ein wenig einschränkend. Schließlich lassen sich z.B. mit WordPress auch rein statische Seiten ins Leben rufen, ohne einen einzigen Post. Ebenso möglich sind natürlich Mischformen. Im Grunde kann man eine Art Shop als Blog organisieren. Oder eine Seite mit Onlinegames. Oder einen passwortgeschützten privaten Blog, der als Kommunikationsinstrument und Schwarzes Brett für eine begrenzte Gruppe an Leuten (z.B. Freundeskreis, Firma) dient.

Die Kommunikation mit den Besuchern kann sich auf den einzelnen Blogs kaum unterschiedlicher gestalten. Während einige von zahlreichen Kommentaren leben oder von ihnen ergänzt werden, ist diese Funktion auf anderen Blogs gänzlich oder teilweise deaktiviert. Oder es will einfach niemand kommentieren, außer ein paar Spam-Bots, die zum Glück ausnahmslos im Filter landen.

Wie sich die Kommunikationskultur im Netz entwickeln wird, bleibt weiter spannend zu beobachten. Vermutlich wird aber alles noch vielfältiger. Das birgt Vorteile aber auch kleine Zeitkiller. Denn der Nutzer muss selbst entscheiden, welche Kommunikationsformen auf seine Bedürfnisse angelegt sind.